Was kostet WordPress-Wartung wirklich?
Pauschalen zwischen € 29 und € 499 im Monat – was steckt wirklich dahinter? Hier die ehrliche Aufschlüsselung nach Stunden und Aufgaben.
„Wartung ab € 29/Monat“ klingt verlockend – und ist meistens ein Lockangebot. „Wartung € 499/Monat“ klingt überzogen – ist aber für komplexe Shops oft fair. Wo zwischen diesen Extremen die Wahrheit liegt, hängt von vier konkreten Faktoren ab. Hier eine ehrliche Stundenrechnung statt Marketing-Pauschalen.
Was zur Wartung dazu gehört
WordPress-Wartung ist mehr als „Plugins updaten“. Ein vollständiges Paket umfasst:
- Updates – WordPress-Core, Theme, alle Plugins, PHP-Version. Pro Update-Zyklus 30–60 Min, wenn alles glatt läuft. Bei Konflikten gerne 2–4 Stunden.
- Backups – täglich automatisch, Wochen-/Monats-Versionen extern gespeichert (3-2-1-Regel: 3 Kopien, 2 Medien, 1 offsite). Setup einmalig, dann automatisch.
- Security-Monitoring – Wordfence/Solid Security, Login-Schutz, 2FA, Malware-Scans. Wöchentlich Reports prüfen, Alerts behandeln.
- Uptime-Monitoring – externe Tools wie UptimeRobot, Better Uptime mit SMS-/E-Mail-Benachrichtigung bei Ausfällen.
- Performance-Checks – monatlich Lighthouse-Audit, Web-Vitals in der Search Console, ggf. Cache-Konfiguration anpassen.
- Datenbank-Optimierung – Spam-Kommentare löschen, Revisions begrenzen, Tabellen optimieren. Quartalsweise.
- Inhalts-Anpassungen – kleine Texte, Bilder, neue Beiträge. Je nach Paket 0,5–4 Stunden inklusive.
- Kommunikation & Support – Mail-Antworten, Telefonate, Statusberichte.
Realistische Stundenkalkulation
Eine durchschnittliche WordPress-Site mit 5–15 Seiten und 10–15 Plugins braucht im Monat:
| Aufgabe | Stunden/Monat |
|---|---|
| Updates (Core/Theme/Plugins) | 0,75–1,5 |
| Backup-Verifikation | 0,25 |
| Security-Monitoring & Alerts | 0,25–0,5 |
| Performance-Audit | 0,25 |
| Inhalts-Anpassungen (kleine) | 0,5–2 |
| Kommunikation & Support | 0,25–0,75 |
| Gesamt | 2,25–5,25 Std. |
Bei einem fairen Stundensatz von € 75–110 (Agentur in AT/DE) ergibt das ein realistisches Wartungspaket zwischen € 79 und € 249/Monat. Alles darunter heißt: entweder läuft etwas nicht oder du wirst quersubventioniert (was nie lange gut geht).
Was bei „€ 29/Monat“ wirklich passiert
Solche Pauschalen funktionieren nur in zwei Modellen: Entweder läuft die Wartung komplett automatisiert ohne menschliche Kontrolle (= Updates werden eingespielt, aber niemand prüft, ob die Site danach noch funktioniert), oder es ist ein Lock-In-Angebot, mit dem du dich an einen Hoster bindest, der seine Hauptmarge mit überteuerten Add-ons macht. Beides führt früher oder später zu bösen Überraschungen.
Wann brauchst du mehr als das Standardpaket?
- WooCommerce-Shop – mehr Plugins, mehr Update-Komplexität, höhere Verfügbarkeitsanforderung. Realistisch € 149–349/Monat.
- Hoher Traffic (50.000+ Visits/Monat) – aktiveres Performance-Management, stärkeres Hosting. € 249–499/Monat.
- Komplexe Plugin-Konstellation (20+ Plugins, viele Custom-Anpassungen) – höheres Konfliktrisiko bei Updates.
- Hohe SLA-Anforderung – garantierte Reaktionszeiten von z. B. 1 Stunde bei kritischen Vorfällen kosten Bereitschaftspauschalen.
- Mehrsprachigkeit / Multi-Site – jeder Sprachzweig muss separat geprüft werden.
Was du selbst machen kannst (und was nicht)
Klar selbst machbar: kleine Inhaltsänderungen, Beiträge schreiben, Bilder austauschen. Nicht selbst machen ohne Backup-Plan und Erfahrung: Plugin-Updates (besonders Major-Versionen), PHP-Updates, Theme-Updates, Custom-Code-Änderungen, Datenbank-Eingriffe. Ein einziger fehlgeschlagener Update kann eine Site stundenlang offline nehmen – und „mal kurz wiederherstellen“ ist ohne sauberes Backup ein teures Wochenende.
Versteckte Kosten ohne Wartung
- Ein gehackter WordPress-Shop kostet im Cleanup typisch € 1.500–6.000 plus Reputationsschaden
- Ein vergessenes PHP-Update führt nach 2–3 Jahren zu „Site funktioniert nicht mehr“ – Migration auf aktuelle PHP-Version dann € 800–2.500
- Verlorenes Google-Ranking durch Down-Time oder Malware-Markierung lässt sich oft nur über Monate wieder aufbauen
- DSGVO-Verstoß durch veraltete Plugins mit Datenschutzlücke – potenziell vier- bis fünfstellige Bußgelder
Fazit
Eine Wartung für € 79–249/Monat ist eine günstige Versicherung. Eine Wartung für € 29/Monat ist meist überhaupt keine Wartung. Der Stundensatz, den ein Profi für sauber gepflegte WordPress-Wartung verlangen muss, ergibt sich aus der Stundenkalkulation – und die ist transparent rechnerisch nachvollziehbar. Wer dir weniger verspricht, spart entweder beim Service oder rechnet es woanders nach.
Edgar Oganisjan ist Gründer von Skins4You und betreut WordPress-Wartungspakete für KMU-Kunden seit 2009.