WooCommerce vs. Shopify: Kosten über 3 Jahre
Total-Cost-of-Ownership-Rechnung mit allen Kostenposten – Hosting, Lizenzen, Apps, Transaktionsgebühren, Wartung. Spoiler: Es kommt drauf an.
Wer einen Shop baut, fragt zuerst nach dem Anschaffungspreis. Wer schon einen betreibt, fragt nach dem laufenden Preis. Beides gehört zusammen, und beides unterscheidet sich erheblich zwischen den beiden Marktführern WooCommerce und Shopify. Hier eine ehrliche Total-Cost-of-Ownership-Rechnung über drei Jahre für einen typischen mittelgroßen Shop.
Annahmen für den Vergleich
Wir nehmen einen realistischen mittelgroßen Shop an: 200–500 Produkte, ca. 800 Bestellungen/Monat, durchschnittlicher Warenkorb € 65, Jahresumsatz € 625.000. Eine Sprache (Deutsch), Ziel-Märkte AT und DE, gängige Zahlungsanbieter (Klarna, Stripe, EPS, PayPal), Newsletter-Tool, Bewertungs-System.
WooCommerce: 3-Jahres-Kalkulation
| Posten | Einmalig | Jahr 1–3 |
|---|---|---|
| Entwicklung Custom-Theme + Setup | € 9.500 | – |
| Managed WP Hosting (Raidboxes Pro) | – | € 1.080 |
| Domain | – | € 45 |
| Plugin-Lizenzen (ACF Pro, WP Rocket, Klaviyo) | – | € 780 |
| Wartung & Support (€ 149/Mon.) | – | € 5.364 |
| Transaktionsgebühren (nur Stripe/Klarna, ~1.5 %) | – | € 28.125 |
| Summe 3 Jahre | € 9.500 | € 35.394 |
| Total 3 Jahre | € 44.894 | |
Shopify: 3-Jahres-Kalkulation
| Posten | Einmalig | Jahr 1–3 |
|---|---|---|
| Premium-Theme + Anpassungen | € 6.500 | – |
| Shopify Plan „Standard“ (€ 105/Mon.) | – | € 3.780 |
| Apps (Klaviyo, Reviews, Bundles, Shipping etc., ~€ 180/Mon.) | – | € 6.480 |
| Domain | – | € 45 |
| Transaktionsgebühren Shopify Payments (~1.6 %) | – | € 30.000 |
| Externe Zahlung (PayPal/Klarna, +0.5 % Shopify-Aufschlag) | – | € 3.750 |
| Summe 3 Jahre | € 6.500 | € 44.055 |
| Total 3 Jahre | € 50.555 | |
Was die Zahlen aussagen
Über drei Jahre liegt WooCommerce in unserem Beispiel ca. € 5.660 günstiger – das sind etwa 11 % weniger Gesamtkosten. Wichtig: Die Zahlen kippen schnell, sobald sich Faktoren verschieben:
- Höherer Umsatz → Transaktionsgebühren dominieren → WooCommerce wird relativ günstiger
- Niedrigerer Umsatz → Shopify wird durch das Plan-Abo teuer
- Mehr Apps nötig → Shopify-App-Kosten explodieren schnell
- Internationaler Vertrieb / Multi-Channel → Shopify-Komfort schlägt WooCommerce-Aufwand
- Custom-Funktionalität → WooCommerce klar im Vorteil, weil offen erweiterbar
Versteckte Kosten, die in beiden Setups oft vergessen werden
- SSL-Zertifikat (bei Shopify enthalten, bei vielen Hostern auch, sonst € 0–80/Jahr)
- Trusted Shops oder ÖGVS Gütesiegel (€ 99–299/Monat) für Conversion und Vertrauen
- DSGVO-konforme Datenschutzerklärung (€ 0–200/Jahr für Generator-Tools)
- Buchhaltungs-Anbindung (DATEV-Export, BMD, RZL) – oft Plugin/App nötig
- Performance-Monitoring (Sentry, New Relic) – wichtig bei wachsendem Traffic
- Backup-Lösung (UpdraftPlus für WP, Rewind für Shopify) – Pflichtversicherung
Was die Zahlen nicht erfassen
Geld ist nur eine Dimension. Zeitkosten sind oft entscheidender:
- WordPress-Updates fressen monatlich 1–3 Stunden Aufmerksamkeit – bei dir oder beim Wartungsanbieter
- Shopify nimmt dir 95 % der technischen Sorgen ab – aber jede individuelle Anpassung wird schnell aufwendig
- Migration zwischen Plattformen: realistisch 60–200 Stunden, je nach Datenmenge
Empfehlung
Bei kleinen Shops bis € 200.000 Jahresumsatz oder mit knappem Budget kippt die Rechnung leicht zugunsten von Shopify – weil die Custom-Entwicklung relativ teuer ist im Verhältnis zur Umsatzbasis. Bei Shops mit € 500.000+ Jahresumsatz oder mit individuellen Anforderungen (B2B-Logik, Konfiguratoren, Subscription, ungewöhnliche Workflows) wird WooCommerce über die Zeit deutlich günstiger und flexibler. Bei mehrsprachigen Shops mit DACH-Fokus liegt WooCommerce fast immer vorne, weil WPML/Polylang günstiger und ausgereifter sind als Shopify Markets.
Fazit
Reines Preisvergleichen führt in die Irre. Die richtige Frage ist nicht „was ist günstiger?“, sondern „welche der beiden Plattformen lässt mich in 18 Monaten mehr Geld verdienen, weniger Zeit verlieren und weniger Stress haben?“. Das hängt von deiner Größe, deinem Team und deinem Geschäftsmodell ab – nicht von der Plattform selbst.
Edgar Oganisjan ist Gründer von Skins4You. Wir betreuen Shops auf beiden Plattformen und haben mehrere Migrationen in beide Richtungen begleitet.