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E-Commerce · Mai 2026

WooCommerce vs. Shopify: Kosten über 3 Jahre

Total-Cost-of-Ownership-Rechnung mit allen Kostenposten – Hosting, Lizenzen, Apps, Transaktionsgebühren, Wartung. Spoiler: Es kommt drauf an.

8 Min · von Edgar Oganisjan

Wer einen Shop baut, fragt zuerst nach dem Anschaffungspreis. Wer schon einen betreibt, fragt nach dem laufenden Preis. Beides gehört zusammen, und beides unterscheidet sich erheblich zwischen den beiden Marktführern WooCommerce und Shopify. Hier eine ehrliche Total-Cost-of-Ownership-Rechnung über drei Jahre für einen typischen mittelgroßen Shop.

Annahmen für den Vergleich

Wir nehmen einen realistischen mittelgroßen Shop an: 200–500 Produkte, ca. 800 Bestellungen/Monat, durchschnittlicher Warenkorb € 65, Jahresumsatz € 625.000. Eine Sprache (Deutsch), Ziel-Märkte AT und DE, gängige Zahlungsanbieter (Klarna, Stripe, EPS, PayPal), Newsletter-Tool, Bewertungs-System.

WooCommerce: 3-Jahres-Kalkulation

Posten Einmalig Jahr 1–3
Entwicklung Custom-Theme + Setup€ 9.500
Managed WP Hosting (Raidboxes Pro)€ 1.080
Domain€ 45
Plugin-Lizenzen (ACF Pro, WP Rocket, Klaviyo)€ 780
Wartung & Support (€ 149/Mon.)€ 5.364
Transaktionsgebühren (nur Stripe/Klarna, ~1.5 %)€ 28.125
Summe 3 Jahre€ 9.500€ 35.394
Total 3 Jahre€ 44.894

Shopify: 3-Jahres-Kalkulation

Posten Einmalig Jahr 1–3
Premium-Theme + Anpassungen€ 6.500
Shopify Plan „Standard“ (€ 105/Mon.)€ 3.780
Apps (Klaviyo, Reviews, Bundles, Shipping etc., ~€ 180/Mon.)€ 6.480
Domain€ 45
Transaktionsgebühren Shopify Payments (~1.6 %)€ 30.000
Externe Zahlung (PayPal/Klarna, +0.5 % Shopify-Aufschlag)€ 3.750
Summe 3 Jahre€ 6.500€ 44.055
Total 3 Jahre€ 50.555

Was die Zahlen aussagen

Über drei Jahre liegt WooCommerce in unserem Beispiel ca. € 5.660 günstiger – das sind etwa 11 % weniger Gesamtkosten. Wichtig: Die Zahlen kippen schnell, sobald sich Faktoren verschieben:

  • Höherer Umsatz → Transaktionsgebühren dominieren → WooCommerce wird relativ günstiger
  • Niedrigerer Umsatz → Shopify wird durch das Plan-Abo teuer
  • Mehr Apps nötig → Shopify-App-Kosten explodieren schnell
  • Internationaler Vertrieb / Multi-Channel → Shopify-Komfort schlägt WooCommerce-Aufwand
  • Custom-Funktionalität → WooCommerce klar im Vorteil, weil offen erweiterbar

Versteckte Kosten, die in beiden Setups oft vergessen werden

  • SSL-Zertifikat (bei Shopify enthalten, bei vielen Hostern auch, sonst € 0–80/Jahr)
  • Trusted Shops oder ÖGVS Gütesiegel (€ 99–299/Monat) für Conversion und Vertrauen
  • DSGVO-konforme Datenschutzerklärung (€ 0–200/Jahr für Generator-Tools)
  • Buchhaltungs-Anbindung (DATEV-Export, BMD, RZL) – oft Plugin/App nötig
  • Performance-Monitoring (Sentry, New Relic) – wichtig bei wachsendem Traffic
  • Backup-Lösung (UpdraftPlus für WP, Rewind für Shopify) – Pflichtversicherung

Was die Zahlen nicht erfassen

Geld ist nur eine Dimension. Zeitkosten sind oft entscheidender:

  • WordPress-Updates fressen monatlich 1–3 Stunden Aufmerksamkeit – bei dir oder beim Wartungsanbieter
  • Shopify nimmt dir 95 % der technischen Sorgen ab – aber jede individuelle Anpassung wird schnell aufwendig
  • Migration zwischen Plattformen: realistisch 60–200 Stunden, je nach Datenmenge

Empfehlung

Bei kleinen Shops bis € 200.000 Jahresumsatz oder mit knappem Budget kippt die Rechnung leicht zugunsten von Shopify – weil die Custom-Entwicklung relativ teuer ist im Verhältnis zur Umsatzbasis. Bei Shops mit € 500.000+ Jahresumsatz oder mit individuellen Anforderungen (B2B-Logik, Konfiguratoren, Subscription, ungewöhnliche Workflows) wird WooCommerce über die Zeit deutlich günstiger und flexibler. Bei mehrsprachigen Shops mit DACH-Fokus liegt WooCommerce fast immer vorne, weil WPML/Polylang günstiger und ausgereifter sind als Shopify Markets.

Fazit

Reines Preisvergleichen führt in die Irre. Die richtige Frage ist nicht „was ist günstiger?“, sondern „welche der beiden Plattformen lässt mich in 18 Monaten mehr Geld verdienen, weniger Zeit verlieren und weniger Stress haben?“. Das hängt von deiner Größe, deinem Team und deinem Geschäftsmodell ab – nicht von der Plattform selbst.

Über den Autor

Edgar Oganisjan ist Gründer von Skins4You. Wir betreuen Shops auf beiden Plattformen und haben mehrere Migrationen in beide Richtungen begleitet.