WordPress vs. Shopify vs. Webflow 2026
Drei Plattformen, drei Philosophien, drei sehr unterschiedliche Stärken. Ein ehrlicher Praxis-Vergleich aus über 50 Projekten – ohne Affiliate-Links, ohne Lieblings-Bias.
„Welche Plattform soll ich nehmen?“ ist die häufigste Frage in jedem Erstgespräch. Die Antwort lautet fast immer: kommt darauf an. Auf was es wirklich ankommt – und welche der drei großen Plattformen für welchen Anwendungsfall die richtige ist – klären wir hier ohne Schaumschlägerei.
Die kurze Antwort vorweg
- WordPress: für Blogs, Content-Sites, Multi-Sprach-Setups, KMU-Websites mit Pflege-Bedarf, WooCommerce-Shops bis ca. € 1 Mio. Umsatz.
- Shopify: für D2C-Brands, Multi-Channel-Verkauf (TikTok/Meta), internationalen Versand, schnellen Marktstart, wenig Pflegekapazität.
- Webflow: für designgetriebene Marken, Marketing-Sites, Landingpages, kleine Content-Sites mit Wow-Effekt und ohne Server-Sorgen.
WordPress – die offene Allzweckwaffe
WordPress betreibt rund 43 % aller Websites weltweit. Open-Source, kostenlos, läuft auf jedem PHP-Hosting. Mit über 60.000 Plugins gibt es für fast jede Anforderung eine Lösung – zum Guten und zum Schlechten.
Stärken: Maximale Flexibilität, riesiges Ökosystem, niedrige Einstiegskosten, kein Lock-in (du kannst deine Site jederzeit zu einem anderen Hoster mitnehmen), starkes SEO-Fundament. Mehrsprachigkeit über WPML oder Polylang ist Standardfall. Unschlagbar für Content-getriebene Sites.
Schmerzpunkte: Sicherheit nur so gut wie deine Wartung. Page-Builder wie Elementor sind weit verbreitet, aber Performance-killers. Hosting muss selbst gewählt werden. Updates können bei schlechter Plugin-Wahl zur Wochenend-Beschäftigung werden. Ohne regelmäßige Pflege wird die Site früher oder später gehackt.
Realistische Kosten: Hosting € 5–80/Monat, Plugin-Lizenzen € 0–500/Jahr, Wartung € 79–249/Monat. Einmalige Entwicklung € 3.500–18.000 für ein Custom-Theme.
Shopify – der Komfort-Standard für E-Commerce
Shopify ist eine SaaS-Plattform – du zahlst eine monatliche Gebühr, dafür kümmert sich Shopify um Hosting, Sicherheit, Updates, Skalierung. Mit über 4 Mio. aktiven Stores ist es die globale Nummer 1 für Online-Handel.
Stärken: In wenigen Tagen launchbar, brutal stabile Performance auch zu Black-Friday-Spitzen, hervorragende Multi-Channel-Anbindung (TikTok-Shop, Meta-Shop, Amazon, Google Shopping), saubere Apps für Versand, Zahlung, Marketing. Wenig technisches Wissen nötig.
Schmerzpunkte: Ab Plus-Tarif richtig teuer. Liquid-Templates sind ein eigenes Lernsystem. App-Abos summieren sich – ein typischer Shop hat 8–15 zahlende Apps mit zusammen € 100–400/Monat. Daten-Export bei Migration mühsam. Transaktionsgebühren außer mit Shopify Payments. SEO-Struktur ist OK, aber unflexibel (z. B. /products/ hartcodiert).
Realistische Kosten: Basic € 39/Monat, Standard € 105, Plus ab € 2.300. Plus Apps, Theme (€ 180–350 einmalig), individuelle Anpassungen € 3.000–15.000.
Webflow – der Designer-Liebling
Webflow ist ein visueller Site-Builder mit produktionsreifem Output. Anders als Wix oder Squarespace produziert es sauberen, semantischen HTML/CSS-Code – aber mit visueller Drag-and-Drop-Oberfläche.
Stärken: Designtiefe ohne Code, schnelle Iteration, hervorragende Animations- und Interaktions-Möglichkeiten, Hosting im Preis enthalten (Cloudflare-CDN), keine Wartungs-Sorgen. Ideal für Marketing-Teams, die ohne Entwickler iterieren wollen.
Schmerzpunkte: CMS-Limits (max. 10.000 Items pro Collection, Form-Submissions limitiert je Plan). E-Commerce vorhanden, aber im Vergleich zu Shopify mager. Lock-in: ein Webflow-Export ist möglich, aber nicht 1:1 weiterverwendbar. Mehrsprachigkeit erst seit kurzem nativ. Pricing höher als gedacht – mit Workspace, Site und Add-ons schnell € 50–150/Monat.
Realistische Kosten: Basic-Site ab € 14/Monat, CMS € 23, E-Commerce ab € 29 plus Transaktionsgebühren. Workspace-Plan separat. Entwicklung € 3.000–12.000.
Vergleichstabelle Hauptkriterien
| Kriterium | WordPress | Shopify | Webflow |
|---|---|---|---|
| Einstiegskosten | ★★★★★ | ★★★ | ★★★ |
| Pflegeaufwand | ★★ | ★★★★★ | ★★★★★ |
| Designtiefe | ★★★★ | ★★★ | ★★★★★ |
| E-Commerce-Stärke | ★★★★ (Woo) | ★★★★★ | ★★ |
| SEO-Flexibilität | ★★★★★ | ★★★ | ★★★★ |
| Mehrsprachigkeit | ★★★★★ | ★★★ (Markets) | ★★★★ |
| Lock-in-Risiko | niedrig | hoch | mittel |
Wann welche Plattform?
WordPress nehmen, wenn du eine inhaltsstarke Website brauchst, gerne mehrsprachig bist, bereits Inhalte hast oder regelmäßig pflegst, individuelle Anforderungen hast oder einen Shop bis mittlerer Größe willst, ohne in das Shopify-Ökosystem einzusteigen.
Shopify nehmen, wenn du eine D2C-Marke baust, schnell launchen willst, internationale Märkte und Multi-Channel im Blick hast, dich nicht um Server kümmern willst und bereit bist, dafür laufende Gebühren zu zahlen.
Webflow nehmen, wenn deine Website ein Marketing-Asset ist, das oft umgebaut wird, dein Team designaffin ist, du keine 10.000+ Inhalts-Items brauchst und kein klassischer Shop dranhängt.
Was wir selbst verwenden
Bei unseren eigenen Projekten setzen wir auf unterschiedliche Stacks: Buchly.at ist eine Custom-Entwicklung mit eigenem Backend (kein CMS), Gastroscan.at läuft auf eigener Infrastruktur mit statischem Frontend, und QR Skins4You ist ein leichtgewichtiges PHP-Setup. Diese Website hier (skins4you.de) ist statisches HTML/CSS/JS ohne CMS – weil wir die Inhalte ohnehin selbst pflegen und keinen Editor brauchen. Plattform-Wahl ist immer eine Entscheidung gegen Komplexität.
Fazit
Es gibt keine universell beste Plattform. Es gibt nur die richtige für deinen Use-Case, dein Budget und deine Pflegekapazität. Wer eine Plattform-Entscheidung allein anhand des Designgefühls trifft, zahlt das spätestens nach 18 Monaten teuer – wenn der Lock-in zuschlägt oder die laufenden Kosten den Rahmen sprengen. Stell dir vor jeder Plattformwahl drei Fragen: Wer pflegt diese Site in zwei Jahren? Wie viel will ich pro Monat ausgeben? Wie wichtig ist mir absolute Designfreiheit?
Edgar Oganisjan ist Gründer von Skins4You und hat in den letzten 20 Jahren Sites auf allen drei Plattformen gebaut – sowie auf TYPO3, Drupal, Wix, Squarespace, Jimdo und Custom-Stacks. Plattform-Religion gibt es bei uns keine.
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